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Thomas Danzer

Die News aus der Südpfalz

< 8. IMWOBAU Landau vom 25.2. bis 28.2.2016
23.02.2016 09:33

Hinter den Kulissen

Jugendstil-Festhalle in Landau in der Pfalz   Landau – Sie arbeiten hinter den Kulissen. Und ohne sie geht eigentlich nichts an der Jugendstilfesthalle Landau, wenn am Abend die Scheinwerfer angehen und das Bühnenprogramm startet. Ricky Wagner ist Meister für Veranstaltungstechnik und Walter Hochdörffer ist Hausinspektor bei der Stadtholding Landau, die die Jugendstil-Festhalle bespielt.


Die Jugendstilfesthalle wurde saniert und Original-Bau-Substanz nicht nur erhalten, sondern sichtbar und erlebbar gemacht. Viele Besucher von heute kennen das Vorher und Nachher. Foto: stadt holding

„Es ist ein sehr schöner Veranstaltungssaal“, sagt Walter Hochdörffer. Er kennt den weiten Klang im nicht allzu großen Saal, wo alles anmutig, aber schlicht ist. Jugendstil eben. Oben, über den Zuschauern, die Decke mit ihren verträumten Ornamenten: In langen Bögen geschwungene Ziegelrippen, eine Stuck-Banderole im großen Oval, weiß getüncht. Dazu standhafte Saalstützen mit gefächerten Kapitellen, das Holz ist weiß, beige, creme, ab und an gibt es eine goldfarbene Intarsia. 1905 bis 1907 wurde die Jugendstilfesthalle Landau nach den Plänen des Düsseldorfer Architekten Hermann Goerke gebaut. Etwas über tausend Besucher haben im Großen Saal bei Reihenbestuhlung Platz.

Rheinland-Pfalz hat nicht viele historisch geprägte Säle. Doch der Saal in Landau ist so einer, der wirklich noch Atmosphäre hat. Hier wurde zum Beispiel die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz gegründet. Das Orchester hat heute seinen Sitz in Ludwigshafen, doch es gibt – vertraglich vereinbart – pro Saison zwei bis drei Konzerte in der Jugendstilfesthalle. Mit diesem Spielort steht und fällt die Klassik-Versorgung der kleinen Großstadt Landau in der Pfalz.

Wobei hier findet von Schauspiel-Theater, Puppenbühne, Jazz, Pop, Kabarett und Unterhaltung bis hin zu Tanzbällen, Bankett- und Neujahrsempfängen eigentlich alles statt, was in eine Fest-Halle eben hineingehört. „Das Haus ist wandlungsfähig und muss es auch sein“, sagt Ricky Wagner. Von Anfang an war das Haus für die breite, auch volkstümliche Nutzung geplant. Die Bevölkerung der Festungsstadt Landau war angewachsen, nachdem die Wehranlagen Ende des 19. Jahrhunderts geschliffen worden waren. Jetzt musste eine Festhalle her. Ein anonymer Spender fand sich, wie sich später herausstellte war es ein stadtbekannter Ziegelfabrikant. Er gab 380.000 Mark für die Errichtung einer Festhalle.

Von Fliegerbomben verschont wurde die Jugendstilfesthalle Landau in den Nachkriegsjahren intensiv genutzt. Sie wurde nach damaligen Vorstellungen verbessert und vereinfacht umgestaltet. Da verschwanden etwa Ornamente hinter Gipskartonverschalungen, es herrschte gestalterische Leere. In den 1990er Jahren schließlich war die Festhalle runtergekommen. Sie hielt den Ansprüchen der Veranstaltungssicherheit nicht mehr stand und musste generalsaniert werden. Veranschlagte Planungskosten: 20 Millionen D-Mark, davon übernahm das Land 65 Prozent der Kosten, den Rest hatte die Stadt zu finanzieren. Thomas Hirsch, damals Mitarbeiter im Büro des Oberbürgermeisters, erinnert sich: „Es war von vornherein klar, es wird die Unterstützung der Bevölkerung brauchen, um dieses Projekt zu realisieren und es ging um die Frage: Können wir dieses Haus seiner historischen Wertigkeit entsprechend sanieren, denn es wird 5 Millionen D-Mark mehr kosten.“

Ein Förderverein wurde gegründet, Thomas Hirsch wurde dessen Geschäftsführer. Tatsächlich brachte der Verein das Geld zusammen. Die Jugendstilfesthalle wurde saniert und Original-Bau-Substanz nicht nur erhalten, sondern sichtbar und erlebbar gemacht. Viele Besucher von heute kennen das Vorher und Nachher.

„Man kann man das gar nicht vergleichen. Jetzt nach der Sanierung ist es vom Ursprung her wieder das, wie es eigentlich sein soll.“

Der Große Saal hat historisches Ambiente, ist aber kein Museum. Sondern er ist vollgepackt mit Bühnen-, Licht- und Tontechnik. „Hier kann auch Oper gespielt werden“, sagt Ricky Wagner, Meister für Veranstaltungstechnik, „denn ss gibt einen Orchestergraben, den man so allerdings nicht offensichtlich sieht.“ In nur wenigen Aufbaustunden lässt sich die „operntaugliche Verwandlung“ vollziehen. Die Bühne kann nämlich nach oben oder nach unten in die verschiedenen Ebenen gefahren werden. „Wenn sie vorne nach unten gefahren ist, dann hat man einen Orchestergraben“, sagt Wagner.  

In der Jugendstil-Festhalle kommt alles unter: Auch Mitgliederversammlungen der großen Sportvereine oder Karnevalsprunksitzungen. Thomas Hirsch ist heute immer noch Geschäftsführer des Fördervereins und unterdessen – seit 1.1. auch Oberbürgermeister. Sein Werdegang ist sehr eng mit der Jugendstilfesthalle verbunden. „Der Anspruch damals von Land und Stadt war: Es muss ein multifunktionales Haus sein, so wird es auch genutzt und bespielt, aber wer hier schon mal ein Konzert gehört hat, kann sicherlich bestätigen, die Akustik kann sich hören lassen.“                              (svs)


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